SPD Schwarzenbek

Sozial. Gerecht. Vor Ort.

23. Dezember 2016

Allgemein/Partei
Das Wirken des Ernst Schefe

Sozialdemokrat Ernst Schefe

Mehr als 100 Jahre Sozialdemokraten in Schwarzenbek, dahinter stehen viele engagierte Menschen:

sie haben für gemein­sa­me Zie­le gear­bei­tet und gekämpft

sie haben ande­ren Men­schen und ein­an­der gehol­fen

sie haben Freund­schaf­ten geschlos­sen und mit­ein­an­der gefei­ert

sie haben auch mit­ein­an­der ernst­haft und lei­den­schaft­lich um den bes­se­ren Weg gerun­gen

sie haben erle­ben müs­sen, wie die Arbei­ter­be­we­gung ver­folgt und ver­bo­ten wur­de und Frei­heit und Demo­kra­tie Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­den

sie haben den Orts­ver­ein in der wie­der­ge­won­ne­nen Demo­kra­tie wie­der auf­ge­baut und zu einem gewich­ti­gen gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Fak­tor in ihrer Stadt gemacht.

 

[…] Der Zim­me­rer Ernst Sche­fe wur­de im Janu­ar 1919 in den neu errich­te­ten Arbei­ter­rat gewählt. Nach Ein­füh­rung des all­ge­mei­nen, frei­en und gehei­men Wahl­rechts auch in Preu­ßen errang im März 1919 die Lis­te E. Sche­fe (SPD) sechs von 15 Sit­zen in der Gemein­de­ver­tre­tung. Bei drei wei­te­ren Gemein­de­wah­len erhielt die SPD mit Ernst Sche­fe fol­gen­des Ergeb­nis:

1924 sechs von 15, 1929 fünf von 15 und 1933 fünf von 15 Sit­zen.

Fol­gen­de Per­so­nen waren Kan­di­da­ten der SPD zur Wahl 1933:

Sche­fe, Ernst, Zim­me­rer

Kraus, Hein­rich, Mau­rer

Vogt, Bern­hard, Arbei­ter

Prösch, Hein­rich, Mau­rer

Vokuhl, Joa­chim, Zim­me­rer

Benn, Ernst, Mau­rer

Hey­mann, Franz, Arbei­ter

Küter, Emil, Arbei­ter

Benn, Paul, Zim­me­rer

Schro­eder, Emil, Arbei­ter

Am 22. Juni 1933 wur­de die SPD vom NS-Staat ver­bo­ten.

Ernst Sche­fe (1875 bis 1944) war die bestim­men­de sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Per­sön­lich­keit vor dem Zwei­ten Welt­krieg. Er trat 1893 der SPD im Alter von 18 Jah­ren bei. Von 1910 bis 1922 war er Orts­ver­eins­vor­sit­zen­der, ab 1915 war er bis 1933 Gemein­de­ver­tre­ter und zwi­schen 1919 und 1933 auch Mit­glied des Kreis­ta­ges.

Nach der „Macht­er­grei­fung“ durch die NSDAP und der Gemein­de­wahl 1933 kamen die NSDAP-Mit­glie­der der Gemein­de­ver­tre­tung in Par­tei­uni­form und die bür­ger­li­chen Mit­glie­der in der Uni­form des „Stahl­helm“ in die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung der Ver­tre­tung. Ernst Sche­fe bean­trag­te mit Witz und bit­te­rem Sar­kas­mus eine Ver­ta­gung. Die Ein­la­dung habe nicht erken­nen las­sen, dass man kos­tü­miert erschei­nen sol­le.

Am 11. April 1933 soll­te beschlos­sen wer­den, den „Jung­fern­stieg“ in „Adolf-Hit­ler-Allee“ umzu­be­nen­nen. Ernst Sche­fe erklär­te, sei­ne Frak­ti­on kön­ne nicht zustim­men, denn die­se neue Bezeich­nung sei doch nur für eine kur­ze Zeit. Am 29. April 1933 wur­de Ernst Sche­fe für die Dau­er von fünf Sit­zun­gen von den Ver­samm­lun­gen auf­grund sei­ner Aus­sa­gen in der Sit­zung vom 28. März 1933 (hier­bei muss es sich um die oben genann­te han­deln) aus­ge­schlos­sen. Grund­la­ge dafür war eine Ver­ord­nung des Innen­mi­nis­te­ri­ums vom 22. März 1933. Durch das Ver­bot der SPD am 22. Juni 1933 war dies das Ende sei­ner Arbeit in der Gemein­de­ver­tre­tung. Bereits 1933 soll er von der Poli­zei ver­hört wor­den sein.

In den Jah­ren 1939 und 1940 wur­de Sche­fe wegen sei­ner Kri­tik an den Nazis denun­ziert. Im Ver­neh­mungs­pro­to­koll vom 24. April 1940 wird ihm vor­ge­hal­ten, gesagt zu haben:

„Hit­ler hat den Krieg gewollt und ist auch der Schul­di­ge an dem Krieg“ (Über­fall auf Polen)

„Hit­ler ist ein gro­ßer Ver­bre­cher und das deut­sche Volk ist ein­fach in ein neu­tra­les Land ein­mar­schiert“ (Nor­we­gen)

„Die 99%, die Hit­ler gewählt haben, waren besof­fen gewe­sen“

Ernst Sche­fe hat sich zu die­sen Wor­ten bekannt und wur­de dar­auf­hin zu einem Jahr Gefäng­nis ver­ur­teilt. Nach Ver­bü­ßung kam er nach Schwar­zen­bek zurück.

Kurz nach dem Atten­tat auf Adolf Hit­ler am 20. Juli 1944 wur­de Ernst Sche­fe erneut ver­haf­tet. Er war wie­der denun­ziert wor­den und gab zu, in pri­va­tem Kreis gesagt zu haben:

„Hit­ler, dat ver­damm­te Swi­en, makt Krieg un all unse­re Jungs möt star­ven.“ Dar­auf­hin wur­de er im Alter von 60 Jah­ren in das KZ Neu­en­gam­me gebracht, wo er am 26. Sep­tem­ber 1944 „beim Früh­sport“ (so die offi­zi­el­le Dar­stel­lung) ver­stor­ben ist.

Gedenk­stein nahe am Amts­rich­ter­haus

Hein­rich Kraus und sei­ne Fami­lie haben das Andenken an Ernst Sche­fe über vie­le Jah­re mit einer Gedenk­ta­fel an ihrem Fami­li­en­grab bewahrt. Heu­te erin­nert die Tafel in einem Gedenk­stein nahe am Amts­rich­ter­haus an Ernst Sche­fe. Der Stein wur­de am 20. Juli 2000 ein­ge­weiht. Das Mahn­mal wur­de vom OV errich­tet, die Gestal­tung und Her­stel­lung leis­te­te Genos­se Horst Gehr­ke. […]

 

Zum Artikel und Autor Reinhard Wiese

Der obi­ge Text stellt einen Aus­zug aus dem Arti­kel „Zur Geschich­te des Orts­ver­eins Schwar­zen­bek der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands“ von Rein­hard Wie­se dar. Ver­öf­fent­licht wur­de die­ser Arti­kel im Heft 202 der Zeit­schrift des Hei­mat­bund und Geschichts­ver­ei­nes Her­zog­tum Lau­en­burg e. V. „Lau­en­bur­gi­sche Hei­mat“. Rein­hard Wie­se selbst ist Mit­glied der Bezirks­grup­pe Schwar­zen­bek des Ver­ei­nes und dar­über hin­aus Stadt­ver­ord­ne­ter für die SPD in Schwar­zen­bek.

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